Emnet: Berlin

 

Das ist die Berliner Luft

Nirgendwo ist Deutschland so vielseitig wie in Berlin. Die deutsche Hauptstadt bietet viel für jeden Geschmack: Geschäfte, Cafés und Kinos, Freizeit- und Jugendzentren, Diskotheken, Theater, Galerien - aber auch Natur pur mit Wiesen, Wäldern und Seen. Unterschiedlich wie die einzelnen Stadtviertel sind auch ihre Bewohner. JUMA hat Jugendliche in ihrem Kiez (1) besucht. Fazit: Niemand verlässt sein Stadtviertel gern. 

Denne tekst er hentet fra JUMA  1/99 på adressen   http://www.juma.de/tip/tipfram.htm

Beim Rudern auf dem Tegeler See kreuzen oft Ausflugsboote den Weg

 

Reinickendorfer Jungs

Gunnar, 15, und Holger, 16, leben in Tegel. Das ist ein Ortsteil des Bezirks Reinickendorf. Beide sind Schüler des Humboldt-Gymnasiums und Mitglieder im "Ruderklub Tegel“ am Tegeler See. Er ist so groß, dass man mit Schiffen Ausflüge darauf unternehmen kann. Hier trainieren Gunnar und Holger in ihrer Freizeit sechsmal die Woche jeweils zwei Stunden im Ruderboot. Gunnar fährt einen Einer, Holger im Zweier (2) Holger geht außerdem regelmäßig zum Krafttraining ins "Ruderzentrum Siemensstadt“. Es liegt wie Tegel im Norden Berlins.
So viel Training zahlt sich aus: 1997 holten beide den Titel "Berliner Schülermeister“. Holger war schon "Landessieger Berlin“ und "Landessieger der Schulen“. Beim Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia“ erreichte er den vierten Platz.
Gunnar und Holger verlassen in der Regel ihr Stadtviertel Tegel nicht. "31 Stunden Schule, dazu noch Hausaufgaben und Training - da bleibt nicht viel Zeit“, meint Holger, "am Wochenende geht es vielleicht mal ins Kino am Bahnhof Zoo (3) oder zum Einkauf in die Innenstadt.“ Die Fahrt dorthin dauert mit U- und S-Bahn fast eine Dreiviertelstunde. Da bleibt Holger lieber in Tegel: "In manchen Stadtteilen wie Kreuzberg war ich noch nie!“ Aber das ist nicht nur ein zeitliches Problem: Stadtteile wie Kreuzberg sind für ihn eine fremde Welt.
Und wo wollen Gunnar und Holger später einmal leben? "In Tegel! Hier gibt es nicht so viele Menschen und nicht so viel Verkehr, es ist schön grün, und all unsere Verwandten, Bekannten und Freunde wohnen hier“, erklärt Holger. Gunnar nickt.

  1. der Kiez - das Stadtvierel
  2. der Einer, der Zweier – das Einsitzer- Ruderboot, das Zweisitzer-Ruderboot
  3. Bahnhof Zoo - Bahnhof für Eisenbahn, Schnellbahn (S-Bahn), Untergrundbahn (U-Bahn) und Bus mitten in Berlin

 

Felix bei der Diskussion im Jugendcafé Würfel

 

Mittendrin

Felix, 16, lebt mitten in Berlin: Berlin-Mitte heißt sein Stadtbezirk und er ist froh mittendrin zu sein, denn "hier ist was los“(1). Zum Beispiel im "Tacheles“, einem abbruchreifen Künstlerhaus mit Innen- und Außencafé. Felix schwärmt von Kunstaktionen im "Tacheles“ ("Flammenwerfer sprühten 15 Meter hoch im Takt der Musik“) und der Techno-Musik im Hof. Auch die alternative Szene hier gefällt ihm sehr, "denn die Leute sind nicht so alt und meistens gut drauf (2).“
Felix macht selbst Musik. Er spielt Bass und Gitarre und übt mit Freunden im Probenraum vom Café "Würfel“. Das ist eine Jugendeinrichtung, in der die Preise "schülergerecht“ sind. Hier finden auch Konzerte statt und ein Dichter liest schon mal aus seinen Werken vor.
Felix liest am liebsten im Monbijoupark an der Spree (3). Das ist eine "grüne Insel“ mitten in der Stadt. Monbijou ist französisch und bedeutet "mein Schmuckstück“. Hier kann man auf der Wiese liegen und schmökern (4). Zur Zeit liest Felix das "Silmarillion“ von J.R. Tolkien, dem Autor des Buches "Herr der Ringe“.
In Berlin-Mitte sind die Entfernungen nicht sehr groß. Zur Schule braucht Felix auf dem Fahrrad nur 10 Minuten. Seine Clique trifft er am Alexanderplatz. Von den Touristenmassen rund um den nobel restaurierten Gendarmenmarkt bekommt Felix nicht viel mit. Dafür nerven ihn die vielen Baustellen mit ihrem Lärm: Mitte lag zur DDR-Zeit in Ost-Berlin, entsprechend groß ist der Renovierungsbedarf.
Berlin findet Felix "toll, denn hier kann man was erleben!“ Er war schon fast überall in der Stadt, "weil die Parties immer woanders sind.“
Was Felix nicht gefällt an Berlin? "Dass es zu viele Autos gibt!“

  1. es ist viel los - es passiert viel
  2. gut drauf - gut gelaunt
  3. die Spree - Fluss durch Berlin
  4. schmökern - in Ruhe ein dickes Buch lesen

 

 

Metin und Tuncay nach dem Einkauf in einer türkischen Bäckerei nahe Großstadt

 

”Klein-Istanbul”

Metin, 17, und Tuncay, 16, treffen wir im "Jugendklub Kreuzberg“. Hierher kommen täglich 50 bis 80 meist türkische Jungen. Zum Angebot gehören Karten-, Billard- und Fußballspiele, Graffiti-Sprayen und ein Fitnessraum. Eine Metallwerkstatt dient der Berufsvorbereitung und auf dem Hof ist ein Freilichtkino.
Damit die Jungen auch mal andere Gesichter sehen, organisieren zwei Sozialarbeiter manchmal ein Fußballspiel gegen Mannschaften in anderen Teilen der Stadt. Gemeinsame Aktivitäten wie ein Schwimmbadbesuch stärken das Wir-Gefühl. Deutsche Jugendliche sind im "Jugendklub Kreuzberg“ eine Seltenheit. "Kreuzberg heißt auch Klein-Istanbul“, erklärt Metin, "hier leben viele Türken. Die Straßen, Geschäfte und Wohnungen sehen aus wie in der Türkei.“
Ahmad Yazdam, der Leiter des Jugendklubs, spricht von der Gettoisierung (1) des Stadtteils und dem Frust (2) seiner Bewohner: "Deutsche und reiche Türken ziehen weg. Lehrstellenmangel und Perspektivlosigkeit (3) gehören zum Alltag. Der Stadtteil verfällt, weil niemand mehr investiert.“
Richtig zu Hause sind Metin und Tuncay nirgendwo, auch wenn sie in Deutschland geboren oder aufgewachsen sind. "In der Schule ist Deutschland und zu Hause ist die Türkei“, sagt Metin. Turcay ergänzt: "In Deutschland sind wir Türken und in der Türkei sind wir Deutsche.“
Selbst Kreuzberg ist nicht gleich Kreuzberg. Tuncay: "Alle haben ihr eigenes Revier." Die türkischen Jugendlichen vom Kottbusser Tor zum Beispiel werden von gleichaltrigen Türken am Mariannenplatz nicht akzeptiert.

  1. die Ghettoisierung – die Isolierung
  2. der Frust – die Enttäuschung
  3. Perspektivlosigkeit – ohne Zukunft

 

Martina und Daniel fühlen sich in Marzahn wohl, denn die Wohnungen hier sind oft größer als anderswo.

 

In der Satellitenstadt

Martina und Daniel, beide 15, leben in Marzahn. In diesem Bezirk stehen die meisten Plattenbauten (1) von Berlin. 150.000 Menschen wohnen darin. Zu DDR-Zeiten zogen vor allem gut ausgebildete Facharbeiter hier ein. Heute kommen jährlich 3.000 bis 5.000 Aussiedler (2). Trotzdem stehen viele Wohnungen leer.
In Marzahn gibt es zahlreiche Jugendklubs mit Freizeitangebot. Einer davon ist der Sportjugendklub, Verein für Sport und Jugendsozialarbeit (VSJ). "Er versucht im Gegensatz zu anderen Einrichtungen politisch neutral zu sein“, erklärt sein Leiter Frank Lippold nicht ohne Stolz.
Martina und Daniel treffen im Sportjugendklub ihre Cliquen. In Marzahn fühlen sich beide wohl. Martina sagt: "In Marzahn gibt es viele Sportmöglichkeiten und ich kenne viele Leute. Auch später will ich hier nicht weg.“ Selten fährt sie in andere Teile der Stadt, "höchstens mal zum Einkaufen nach Lichtenberg oder Hohenschönhausen“, ebenfalls Neubaugebiete im Osten der Stadt. Die Berliner Innenstadt kennt Martina vor allem, weil ihre Schule dort Projekttage veranstaltet hat, ”über die Bauwerke Berlins und ihre Geschichte.“
Fühlt Martina sich in Marzahn sicher? ”Unsicher ist man heutzutage überall“, meint sie, ”für alle Fälle habe ich einen Jiu-Jitsu-Kurs belegt.“
Daniel hat für Marzahn nur Lob: "Hier gibt es keinen Hundekot wie in Friedrichshain und auch in den Häusern ist es sauber. Die Wohnungen sind groß, so dass die meisten meiner Freunde ihr eigenes Zimmer haben.“ Ebenfalls überzeugt ihn in Marzahn die Nähe zur Natur (”Bis zum Wäldchen ist es nicht weit!“). Er mag die vielen Bäume und Parks. Nur ungern verlässt Daniel seinen Stadtbezirk, was auch zeitliche Gründe hat: Wenn er seine Schwester im Berlin-Marienfelde besucht, ist er anderthalb Stunden unterwegs.

  1. der Plattenbau – im Fertigbau gebautes Hochhaus, in der ehem. DDR weit verbreitet
  2. Aussiedler – Deutschstämmige aus Aus siedlungsgebieten im Osten, die nach Deutschland kommen, um hier zu leben

 

Raika lebt in Charlottenburg. Hier gibt es unter anderem viele Kinos, und Cafés.

 

Trubel in der City

Reika, 14, wohnt in Charlottenburg in der Nähe vom Kurfürstendamm. Er wird kurz Ku-damm genannt und ist Berlins bekannteste Einkaufs- und Flanierstraße. Hier befinden sich auch viele bekannte Theater, Restaurants und Cafés. Der Ku-damm war einst das Zentrum West-Berlins und beginnt auch heute noch zentral in der Nähe vom Bahnhof Zoo.
Reika geht nachmittags oft ins Café. Dort trifft sie ihre Freundinnen und Freunde. Bei schönem Wetter sitzen alle auf der Terrasse. Sie tauschen Neuigkeiten aus ("wer jetzt mit wem geht“) (1) und trinken Cappuccino. Danach "shoppen“ (2) sie in den zahlreichen Boutiquen und Musikgeschäften. Die liegen meist ”um die Ecke ’rum” (3).
Reika liebt das Großstädtische und Weltoffene in ihrem Kiez: "Es ist fantastisch: Hier kommen alle und alles zusammen!“ Selten wird ihr der Trubel (4) zuviel.
”Rausgehen“ ist Reikas Hobby, "in Konzerte, ins Museum oder ins Theater“, berichtet sie. In die Disko darf sie mit ihren 14 Jahren (”leider, leider“) noch nicht. ”Vielleicht“, meint Raika verschmitzt (5), ”versuche ich es nächstes Jahr einmal, dann sehe ich schon älter aus!“

  1. mit jemandem gehen - mit einem Mädchen bzw. mit einem Jungen befreundet sein
  2. shoppen (englisch) - einkaufen
  3. um die Ecke ’rum liegen (umgangs-
    sprachlich) - nicht weit sein
  4. der Trubel - lebhaftes Treiben, Unruhe
  5. verschmitzt - listig