| Das ist die Berliner Luft
Nirgendwo ist Deutschland so vielseitig wie in Berlin.
Die deutsche Hauptstadt bietet viel für jeden Geschmack: Geschäfte, Cafés und Kinos,
Freizeit- und Jugendzentren, Diskotheken, Theater, Galerien - aber auch Natur pur mit
Wiesen, Wäldern und Seen. Unterschiedlich wie die einzelnen Stadtviertel sind auch ihre
Bewohner. JUMA hat Jugendliche in ihrem Kiez (1) besucht. Fazit: Niemand verlässt sein
Stadtviertel gern.
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| Beim Rudern auf dem Tegeler See
kreuzen oft Ausflugsboote den Weg |
Reinickendorfer Jungs
Gunnar, 15, und Holger, 16, leben in Tegel. Das ist ein Ortsteil des Bezirks
Reinickendorf. Beide sind Schüler des Humboldt-Gymnasiums und Mitglieder im "Ruderklub Tegel
am Tegeler See. Er ist so groß, dass man mit Schiffen Ausflüge darauf unternehmen kann.
Hier trainieren Gunnar und Holger in ihrer Freizeit sechsmal die Woche jeweils zwei
Stunden im Ruderboot. Gunnar fährt einen Einer, Holger im Zweier (2) Holger geht
außerdem regelmäßig zum Krafttraining ins "Ruderzentrum Siemensstadt. Es
liegt wie Tegel im Norden Berlins.
So viel Training zahlt sich aus: 1997 holten beide den Titel "Berliner
Schülermeister. Holger war schon "Landessieger Berlin und
"Landessieger der Schulen. Beim Wettbewerb "Jugend trainiert für
Olympia erreichte er den vierten Platz.
Gunnar und Holger verlassen in der Regel ihr Stadtviertel Tegel nicht. "31 Stunden
Schule, dazu noch Hausaufgaben und Training - da bleibt nicht viel Zeit, meint
Holger, "am Wochenende geht es vielleicht mal ins Kino am Bahnhof Zoo (3) oder zum
Einkauf in die Innenstadt. Die Fahrt dorthin dauert mit U- und S-Bahn fast eine
Dreiviertelstunde. Da bleibt Holger lieber in Tegel: "In manchen Stadtteilen wie
Kreuzberg war ich noch nie! Aber das ist nicht nur ein zeitliches Problem:
Stadtteile wie Kreuzberg sind für ihn eine fremde Welt.
Und wo wollen Gunnar und Holger später einmal leben? "In Tegel! Hier gibt es nicht
so viele Menschen und nicht so viel Verkehr, es ist schön grün, und all unsere
Verwandten, Bekannten und Freunde wohnen hier, erklärt Holger. Gunnar nickt.
- der Kiez - das Stadtvierel
- der Einer, der Zweier das Einsitzer- Ruderboot, das
Zweisitzer-Ruderboot
- Bahnhof Zoo - Bahnhof für Eisenbahn, Schnellbahn (S-Bahn),
Untergrundbahn (U-Bahn) und Bus mitten in Berlin
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| Felix bei der
Diskussion im Jugendcafé Würfel |
Mittendrin
Felix, 16, lebt mitten in Berlin: Berlin-Mitte heißt sein Stadtbezirk und er ist froh
mittendrin zu sein, denn "hier ist was los(1). Zum Beispiel im
"Tacheles, einem abbruchreifen Künstlerhaus mit Innen- und Außencafé. Felix
schwärmt von Kunstaktionen im "Tacheles ("Flammenwerfer sprühten 15
Meter hoch im Takt der Musik) und der Techno-Musik im Hof. Auch die alternative
Szene hier gefällt ihm sehr, "denn die Leute sind nicht so alt und meistens gut
drauf (2).
Felix macht selbst Musik. Er spielt Bass und Gitarre und übt mit Freunden im Probenraum
vom Café "Würfel. Das ist eine Jugendeinrichtung, in der die Preise
"schülergerecht sind. Hier finden auch Konzerte statt und ein Dichter liest
schon mal aus seinen Werken vor.
Felix liest am liebsten im Monbijoupark an der Spree (3). Das ist eine "grüne
Insel mitten in der Stadt. Monbijou ist französisch und bedeutet "mein
Schmuckstück. Hier kann man auf der Wiese liegen und schmökern (4). Zur Zeit liest
Felix das "Silmarillion von J.R. Tolkien, dem Autor des Buches "Herr der Ringe.
In Berlin-Mitte sind die Entfernungen nicht sehr groß. Zur Schule braucht Felix auf dem
Fahrrad nur 10 Minuten. Seine Clique trifft er am Alexanderplatz. Von den Touristenmassen
rund um den nobel restaurierten Gendarmenmarkt bekommt Felix nicht viel mit. Dafür nerven
ihn die vielen Baustellen mit ihrem Lärm: Mitte lag zur DDR-Zeit in Ost-Berlin,
entsprechend groß ist der Renovierungsbedarf.
Berlin findet Felix "toll, denn hier kann man was erleben! Er war schon fast
überall in der Stadt, "weil die Parties immer woanders sind.
Was Felix nicht gefällt an Berlin? "Dass es zu viele Autos gibt!
- es ist viel los - es passiert viel
- gut drauf - gut gelaunt
- die Spree - Fluss durch Berlin
- schmökern - in Ruhe ein dickes Buch lesen
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| Metin und Tuncay
nach dem Einkauf in einer türkischen Bäckerei nahe Großstadt |
Klein-Istanbul
Metin, 17, und Tuncay, 16, treffen wir im "Jugendklub Kreuzberg. Hierher kommen
täglich 50 bis 80 meist türkische Jungen. Zum Angebot gehören Karten-, Billard- und
Fußballspiele, Graffiti-Sprayen und ein Fitnessraum. Eine Metallwerkstatt dient der
Berufsvorbereitung und auf dem Hof ist ein Freilichtkino.
Damit die Jungen auch mal andere Gesichter sehen, organisieren zwei Sozialarbeiter
manchmal ein Fußballspiel gegen Mannschaften in anderen Teilen der Stadt. Gemeinsame
Aktivitäten wie ein Schwimmbadbesuch stärken das Wir-Gefühl. Deutsche Jugendliche sind
im "Jugendklub Kreuzberg eine Seltenheit. "Kreuzberg heißt auch
Klein-Istanbul, erklärt Metin, "hier leben viele Türken. Die Straßen,
Geschäfte und Wohnungen sehen aus wie in der Türkei.
Ahmad Yazdam, der Leiter des Jugendklubs, spricht von der Gettoisierung (1) des Stadtteils
und dem Frust (2) seiner Bewohner: "Deutsche und reiche Türken ziehen weg.
Lehrstellenmangel und Perspektivlosigkeit (3) gehören zum Alltag. Der Stadtteil
verfällt, weil niemand mehr investiert.
Richtig zu Hause sind Metin und Tuncay nirgendwo, auch wenn sie in Deutschland geboren
oder aufgewachsen sind. "In der Schule ist Deutschland und zu Hause ist die
Türkei, sagt Metin. Turcay ergänzt: "In Deutschland sind wir Türken und in
der Türkei sind wir Deutsche.
Selbst Kreuzberg ist nicht gleich Kreuzberg. Tuncay: "Alle haben ihr eigenes
Revier." Die türkischen Jugendlichen vom Kottbusser Tor zum Beispiel werden von
gleichaltrigen Türken am Mariannenplatz nicht akzeptiert.
- die Ghettoisierung die Isolierung
- der Frust die Enttäuschung
- Perspektivlosigkeit ohne Zukunft
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| Martina und Daniel
fühlen sich in Marzahn wohl, denn die Wohnungen hier sind oft größer als anderswo. |
In der Satellitenstadt
Martina und Daniel, beide 15, leben in Marzahn. In diesem Bezirk stehen die meisten
Plattenbauten (1) von Berlin. 150.000 Menschen wohnen darin. Zu DDR-Zeiten zogen vor allem
gut ausgebildete Facharbeiter hier ein. Heute kommen jährlich 3.000 bis 5.000 Aussiedler
(2). Trotzdem stehen viele Wohnungen leer.
In Marzahn gibt es zahlreiche Jugendklubs mit Freizeitangebot. Einer davon ist der
Sportjugendklub, Verein für Sport und Jugendsozialarbeit (VSJ). "Er versucht im
Gegensatz zu anderen Einrichtungen politisch neutral zu sein, erklärt sein Leiter
Frank Lippold nicht ohne Stolz.
Martina und Daniel treffen im Sportjugendklub ihre Cliquen. In Marzahn fühlen sich beide
wohl. Martina sagt: "In Marzahn gibt es viele Sportmöglichkeiten und ich kenne viele
Leute. Auch später will ich hier nicht weg. Selten fährt sie in andere Teile der
Stadt, "höchstens mal zum Einkaufen nach Lichtenberg oder Hohenschönhausen,
ebenfalls Neubaugebiete im Osten der Stadt. Die Berliner Innenstadt kennt Martina vor
allem, weil ihre Schule dort Projekttage veranstaltet hat, über die Bauwerke
Berlins und ihre Geschichte.
Fühlt Martina sich in Marzahn sicher? Unsicher ist man heutzutage überall,
meint sie, für alle Fälle habe ich einen Jiu-Jitsu-Kurs belegt.
Daniel hat für Marzahn nur Lob: "Hier gibt es keinen Hundekot wie in Friedrichshain
und auch in den Häusern ist es sauber. Die Wohnungen sind groß, so dass die meisten
meiner Freunde ihr eigenes Zimmer haben. Ebenfalls überzeugt ihn in Marzahn die
Nähe zur Natur (Bis zum Wäldchen ist es nicht weit!). Er mag die vielen
Bäume und Parks. Nur ungern verlässt Daniel seinen Stadtbezirk, was auch zeitliche
Gründe hat: Wenn er seine Schwester im Berlin-Marienfelde besucht, ist er anderthalb
Stunden unterwegs.
- der Plattenbau im Fertigbau gebautes Hochhaus, in der ehem. DDR
weit verbreitet
- Aussiedler Deutschstämmige aus Aus siedlungsgebieten im Osten,
die nach Deutschland kommen, um hier zu leben
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| Raika lebt in
Charlottenburg. Hier gibt es unter anderem viele Kinos, und Cafés. |
Trubel in der City
Reika, 14, wohnt in Charlottenburg in der Nähe vom Kurfürstendamm. Er wird kurz Ku-damm
genannt und ist Berlins bekannteste Einkaufs- und Flanierstraße. Hier befinden sich auch
viele bekannte Theater, Restaurants und Cafés. Der Ku-damm war einst das Zentrum
West-Berlins und beginnt auch heute noch zentral in der Nähe vom Bahnhof Zoo.
Reika geht nachmittags oft ins Café. Dort trifft sie ihre Freundinnen und Freunde. Bei
schönem Wetter sitzen alle auf der Terrasse. Sie tauschen Neuigkeiten aus ("wer
jetzt mit wem geht) (1) und trinken Cappuccino. Danach "shoppen (2) sie
in den zahlreichen Boutiquen und Musikgeschäften. Die liegen meist um die Ecke
rum (3).
Reika liebt das Großstädtische und Weltoffene in ihrem Kiez: "Es ist fantastisch:
Hier kommen alle und alles zusammen! Selten wird ihr der Trubel (4) zuviel.
Rausgehen ist Reikas Hobby, "in Konzerte, ins Museum oder ins
Theater, berichtet sie. In die Disko darf sie mit ihren 14 Jahren (leider,
leider) noch nicht. Vielleicht, meint Raika verschmitzt (5),
versuche ich es nächstes Jahr einmal, dann sehe ich schon älter aus!
- mit jemandem gehen - mit einem Mädchen bzw. mit einem Jungen befreundet
sein
- shoppen (englisch) - einkaufen
- um die Ecke rum liegen (umgangs-
sprachlich) - nicht weit sein
- der Trubel - lebhaftes Treiben, Unruhe
- verschmitzt - listig
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