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Jazzy und Lee, man hat lange nichts von euch gehört. Was habt ihr ein ganzes Jahr lang
gemacht?
Lee: Jazzy ist umgezogen, hat Urlaub gemacht und musste auch noch ins Krankenhaus.
Aber dass sie Krebs hatte, wie es immer hieß, stimmt nicht. Ehrlich nicht.
Jazzy: Meine Haare sind weg, weil ich mir den Schädel rasiert habe.
Lee: Ich bin für eine Weile in die Karibik gefahren, um nach meinen Wurzeln zu
forschen. Mein Vater ist auf der Insel St. Vincent geboren und ich habe dort
herausgefunden, dass mein Ururgroßvater Chinese war. Jetzt verstehe ich endlich, warum
ich so auf Bruce-Lee- und Jackie-Chan-Filme abfahre.
Die Pause scheint euch gut getan zu haben. Ihr wirkt gut ausgeruht.
Jazzy: Es gibt da einen indianische Weisheit: Ein Indianer fährt mit einem Weißen
im Auto und plötzlich sagt der Indianer: "Du bist zu schnell. Halt mal kurz an.
Meine Seele muss nachkommen." So ging es uns auch. Wir hatten keine Zeit, irgendwas
zu verarbeiten und unsere Seelen kamen nicht mehr mit. Hätten wir keine Pause gemacht,
dann hätten wir nie wieder arbeiten können.
Schön. Und was macht nun Sara hier?
Lee: Bald erscheint die Single von Sara, auf der wir mitrappen. Das ganze heißt
dann Sara@TicTacTwo.
Sara, kannst du uns eine Kostprobe geben?
Sara: (singt) Ich glaub's ja selber nicht, aber ich will dich nie wieder küssen,
denn ich will dich nie wieder vermissen.
Klingt original nach Tic Tac Toe.
Lee: Diesmal singen wir das Märchen vom Froschkönig. Nur dass man im wirklichen
Leben sehr viele Frösche küssen muss, bis man einen Prinzen erwischt. Ganz romantisches
Lied.
Jazzy: Und es gibt keine Schimpfwörter. Wir wollen in unserer Karriere ja nicht
alle Schimpfwörter durchbringen, die es in der deutschen Sprache gibt.
Sara, wie hast du Lee und Jazzy überhaupt kennen gelernt?
Sara: Ich habe auf den Anrufbeantworter von Claudia (Wohlfromm, die Managerin von
TicTacToe) ein Lied gesungen. Einen Tag später war ich dabei.
Was hast du gesungen?
Sara: "Yesterday" von den Beatles.
Hört sich ein bisschen an wie im Märchen, die Geschichte mit dem Anrufbeantworter.
Vor allem nicht ganz neu.
Sara: Ist aber wahr. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen und ich merke
oft, dass ich das alles noch nicht so ganz begreife.
Hast du nicht Angst, dass alles ein Albtraum werden könnte, weil du auf ein sinkendes
Schiff aufspringst?
Sara: Es wird bestimmt kein Albtraum. Weil das Schiff nicht sinkt, sondern erst
richtig in Fahrt kommt.
Lee: Man fühlt sich, als ob man nochmal ganz von vorne anfängt.
Vielen Leuten wird das neue Lied ziemlich egal sein. Die werden nur auf einen neuen
Skandal von euch warten.
Lee: Dann lass sie warten. Klar gibt es Leute, die nur auf Skandale aus sind und
sich wieder auf die Suche machen werden. Aber sie werden nichts finden.
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Jazzy: Die ersten sagen schon: Mal schauen, wie lange die Weste von Sara noch weiß
bleibt.
Überall wurde gesagt: Tic Tac Toe jetzt wieder zu dritt. Sollte das Gerücht euch
wieder Publicity bringen?
Jazzy: Nein, wir haben das auch gar nicht in die Welt gesetzt. Sara ist eigentlich
Solistin, wir sind ein Duo und wenn das alles schön ist, dann kann das auch mal ein Trio
sein.
Lee: Oder ein Viero oder ein Fünfo.
Jazzy: Das wäre ein Quartett, Schätzchen und bei fünf Leuten weiß ich es dann
auch nicht mehr. Es wird auf jeden Fall total schön.
Sara: Es fühlt sich auch total schön an.
Lee: Das Gefühl ist einfach geil.
Habt ihr nicht manchmal Lust, Ricky anzurufen und einfach zu fragen, wie's ihr geht?
Lee: Wir haben uns viel mit der Vergangenheit beschäftigt. Drei Jahre der besten
Zeit unseres Lebens, der erfolgreichste Punkt, das kann man nicht einfach vergessen. Und
das will ich auch gar nicht. Damals waren wir sauer - jeder war wahrscheinlich sauer -,
aber jetzt sehen wir das so, dass es wohl so sein sollte und dass alles seinen Grund
hatte. Wenn ich Ricky sehe, dann tut das auch noch weh. Aber jetzt gehen wir nach vorne.
Jazzy: Es wird von uns beiden nie ein negatives Wort über die Zeit von Tic Tac Toe
geben. Niemals. Aber wenn man sich für einen Weg entschieden hat, dann muss man auch in
diese Richtung weitergehen. Es ist nicht an uns, jetzt noch was zu tun, weil wir alles
versucht haben. Und irgendwann ist dann Schluss.
Die berühmte Pressekonferenz...
Jazzy: Wir haben Schwäche gezeigt, obwohl man eigentlich Stärke zeigen muss. Wenn
alle verstanden hätten, was wir durchgemacht haben, dann hätte sich auf dieser
Pressekonferenz niemand gewundert. Das war pure Emotion. Ich mach' doch sowas nicht, weil
ich eine Show abziehen will. Da verliere ich doch nur mit. Und wenn ich das alles nur
wegen Kohle gemacht hätte, dann hätte ich mich doch zusammengerissen, damit alles so
bleibt, wie es war. Ab dem Zeitpunkt wäre es nur noch um Geld gegangen. Aber darum geht's
nicht.
Aber worum ging es dann?
Lee: Zu diesem Zeitpunkt ging es eigentlich nur noch um uns. Wir hatten uns nie als
Popstars gesehen. Dass wir es aber doch sind, mussten wir erst mal erkennen und
verarbeiten. Mir wurde klar, dass ich gar nicht auf ein Podium gehoben werden möchte, um
Wahrheiten zu verkünden. Du hast auf einmal diese absolute Macht. Und diese Macht ist es,
die einem Angst macht. Dabei wollte ich immer so normal bleiben wie möglich. Aber dass
das vielleicht nicht geht, habe ich erst im letzten Jahr erkannt.
Jazzy: Wir waren auch nie so stark, wie uns die Leute gesehen haben. Dass wir mal
weinen und zusammenbrechen und einfach nicht mehr können - das glauben einem die Leute
dann nicht mehr. Weil sie irgendwann aufhören, daran zu denken, dass du auch nur ein
stinknormaler Mensch bist.
JULIA DECKER
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